Die Wechselkröte (Bufotes viridis) ist nicht nur optisch ein Hingucker unter den Kröten, sondern hat auch eine spannende Lebensweise. Als Steppentier ist sie gut an Wärme und Trockenheit angepasst. In Wien ist sie daher eine Charakterart der pannonischen Feldlandschaft und häufig in der Nähe von Gewerbegebieten und Gärtnereien zu finden.

Da die Wechselkröte gemäß Roter Liste Österreichs als „gefährdet“ eingestuft und in Wien nach dem Wiener Naturschutzgesetz „streng geschützt“ ist, müssen bei einer Projektumsetzung innerhalb ihres Lebensraumes naturschutzfachliche Maßnahmen zu ihrem Schutz getroffen werden. Doch bereits das Feststellen der Wechselkröte kann eine Herausforderung werden. Für die Fortpflanzung nutzt sie sogenannte temporäre Pioniergewässer (Lacken) und ist nicht auf Seen oder Teiche angewiesen. Zudem kann sie auch an Land weite Strecken von bis zu 10 km zurücklegen und hat daher einen weitläufigen Landlebensraum.

Die Wechselkröte versteckt sich tagsüber in Erdlöchern, unter Laub oder ähnlichen Strukturen und ist nachtaktiv. Am besten kann man sie daher abends und nachts im Frühjahr (etwa ab März) an den Laichgewässern nachweisen. Dort versammeln sie sich und geben ihr gut hörbares, markantes Trillern von sich. Nach der Paarung kann man in den Gewässern die typischen Laichschnüre und, im Laufe der Entwicklung, die Kaulquappen feststellen. Die Kröten selbst sitzen im Frühjahr nachts im Gewässer und tagsüber verstecken sie sich in der Nähe des Gewässers.

Werden in einem Projektgebiet Wechselkröten nachgewiesen, müssen Maßnahmen geplant werden. Idealerweise kann in der Projektplanung der Schutz und Erhalt des Lebensraumes berücksichtigt werden und die Tiere können vor Ort bleiben. Sollte dies nicht möglich sein, müssen abseits des Baufeldes geeignete Maßnahmen umgesetzt werden. Maßnahmen werden grob in Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen unterteilt:

 

Die Schutzmaßnahmen beinhalten meist das Aufstellen eines Amphibienzauns um das Baufeld. Dieser verhindert das Einwandern der Tiere. Nach dem Aufstellen des Zauns wird das Baufeld nachts zur Aktivitätszeit nach Tieren abgesucht. Festgestellte Tiere werden so rasch wie möglich in einen sicheren Lebensraum umgesiedelt.

Die Ausgleichsmaßnahmen beinhalten die Errichtung eines neuen Ersatzlebensraumes. Es muss daher ein geeignetes Gewässer für die Fortpflanzung und ein geeigneter Landlebensraum um das Gewässer errichtet werden. Das Gewässer hat einem Pioniercharakter zu entsprechen: Es soll flachgründig sein, wenig bis keinen Bewuchs aufweisen und keine Fische oder andere Fressfeinde beherbergen. Der Landlebensraum soll einen weitläufigen und offenen Charakter aufweisen und mit grabbarem Boden ausgestattet sein. Zudem werden gerne Totholz- oder Laubhaufen als Verstecke angenommen. Der Ersatzlebensraum ist jährlich zu pflegen, damit er für die Wechselkröte geeignet bleibt. Die Pflege beinhaltet das Offenhalten des Landlebensraumes (z.B. Mähen, Gehölze entfernen) sowie die Pflege des Gewässers (Bewuchs und Algen entfernen, Böschungen flach halten). Das Gewässer kann und darf außerhalb der Fortpflanzungszeit auch gänzlich austrocknen.

Bei einem achtsamen Umgang und einer sorgfältigen Planung können Wechselkröten und ihre Lebensräume trotz Projektumsetzungen geschützt und erhalten werden. Es ist immer spannend beim Schutz dieser Tiere dabei zu sein und ein schönes Gefühl zu sehen, wie ein neu geschaffener Lebensraum angenommen wird.

Abb. 1 Laichschnüre

Abb. 2: Ausgleichsbecken im Projektgebiet

Abb. 3: Kaulquappen

Standorte:
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