In den Sommermonaten ist in der Natur besonders viel los. Tagsüber zeigen sich zahlreiche Insekten von ihrer schönsten Seite: bunte Schmetterlinge, summende Wildbienen oder schillernde Käfer. Doch auch nach Sonnenuntergang wird es in der Natur nicht still. Dann zeigen sich jene Tiere, die tagsüber kaum zu sehen sind.
Wer bei einem abendlichen Spaziergang einmal genauer hinsieht, kann eine erstaunliche Vielfalt dieser oft verborgenen Tiere entdecken. Eine besondere Möglichkeit die Nachtwelt kennenzulernen, bieten Führungen mit Lichtfang. Dabei werden Insekten mit einer Lichtquelle angelockt und können aus nächster Nähe beobachtet werden. So lassen sich beispielsweise Nachtfalter, Käfer und andere faszinierende Arten entdecken, die tagsüber meist verborgen bleiben.
Es folgt ein kleiner Einblick in die Welt der versteckten Tiergestalten.
Nachtfalter
Viele Nachtfalter werden im Allgemeinen Sprachgebrauch häufig als „Motten“ bezeichnet. Dabei ist der Begriff oft negativ konnotiert und wird mit Vorratsschädlingen, Kleidermotten oder kleinen, unscheinbaren braunen Faltern in Verbindung gebracht, die nachts um unsere Lampen kreisen. Während jedoch die unbeliebten Kleidungs- und Vorratsmotten tatsächlich zu der Familie der Echten Motten (Tineidae) zählen, gehört die große Mehrheit unserer Nachtfalter nicht zu dieser Gruppe, sondern zählt zu vielfältigen, anderen Schmetterlingsfamilien. Dazu gehören unter anderem die Spanner (Geometridae), Bärenspinner (Arctiidae) oder Schwärmer (Sphingidae). Wie spannend die Falter sein können, wird deutlich, wenn man sich einige ihrer Vertreter genauer ansieht.
Die männlichen Individuen der Heidespanner (Ematurga atomaria) besitzen stark gekämmte Fühler, um die Sexualduftstoffe der Weibchen besser wahrnehmen zu können.
Der Breitflügelige Fleckleibbär (Spilosoma lubricipeda) ist ein flauschiger Vertreter der Bärenspinner. Bei Gefahr lässt er sich zu Boden fallen und stellt sich tot. Zudem ist er giftig für seine Fressfeinde und für Vögel ungenießbar.
Der Kleine Weinschwärmer (Deilephila porcellus) zählt, wie der Name sagt, zur Familie der Schwärmer. Man erkennt ihn gut an seinem farbenfrohen Aussehen. Seine Raupe kann bis zu 7 cm groß werden. Mithilfe ihres Aussehens kann sie sich bei Gefahr aufrichten und eine Schlange nachahmen, um hungrige Feinde abzuschrecken.
Netzflügler (Neuroptera)
Die Netzflügler haben eine feine, netzartige Äderung ihrer Flügel. Fast alle Arten der Netzflügler sind nacht- oder dämmerungsaktiv. Die Larven ernähren sich meistens von Pflanzenläusen oder Milben.
Die hier ersichtliche Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius) ähnelt im Flug optisch einer Libelle. Die Larve dieser Art baut einen Fangtrichter, in den Ameisen und andere kleine Tiere hineinfallen. Die Beute wird anschließend gelähmt und gefressen.
Laubheuschrecken
Die Laubheuschrecken gehören zur Unterordnung der Langfühlerschrecken. Es handelt sich um eine äußerst formen- und artenreiche Familie, bei der häufig die Flugorgane reduziert sind.
Die Große Sägeschrecke (Saga Pedo) gehört zu den größten und seltensten Insekten Europas. Tagsüber findet man sie zwar beim Wärmetanken in der Sonne, allerdings ist sie auch nachts aktiv. Sie kann bis zu 9 cm lang werden und pflanzt sich nach aktuellen Erkenntnissen durch sogenannte „Jungfernzeugung“ fort. Das heißt, sie legt unbefruchtete Eier, aus denen fast ausschließlich Weibchen schlüpfen. Nach aktuellem Stand wurde 2005 das erste und bis dato letzte nachgewiesene Männchen dieser Art gesichtet.
Es lohnt sich also, auch im Dunkeln die Natur zu beobachten und dabei Augen und Ohren offen zu halten.Mit Methoden wie dem Lichtfang lässt sich die faszinierende Vielfalt nachtaktiver Insekten besonders eindrucksvoll erleben