Im Mai ist der beste Zeitpunkt, um einen Spaziergang durch den Nationalpark Donau-Auen zu machen. Ist mehr Aufwand als eine Bus-Fahrt in den Nationalpark möglich, so ist eine Wanderung Anfang Juni in den Bergen ebenfalls eine wunderbare Möglichkeit, eine Vielzahl an Orchideen vorzufinden.

Da diese Pflanzen, ähnlich wie andere Arten, durch Lebensraumverschlechterung, Bauvorhaben und die Klimakrise immer mehr ins „Schwitzen“ kommen, soll dieser kurze Beitrag die spannenden Fakten dieser Gattung darstellen. Gerade bei Bauvorhaben besteht die Möglichkeit, durch gezieltes Wissen zur jeweiligen Art, die Individuen in geeignete Ersatzhabitate zu versetzen und somit den Fortbestand zu sichern. Dieses Wissen erhalten wir durch Literaturrecherche, aber auch Erfahrung.

Lehnen Sie sich zurück und genießen den digitalen Ausflug in die wunderschönen Wälder und Heißländen der Donau-Auen.

Brand-Knabenkraut (Neotinea ustulata subsp. ustulata)

Das Brand-Knabenkraut erhielt seinen Namen durch die dunkle Färbung des oberen Teils des Blütenstandes (ustulatus = angebrannt). Die Blüten des Brand-Knabenkrautes leiten durch ihre dunklen Saftmale den Bestäuber (Hummeln) den Weg.

Das Brand-Knabenkraut ist eine kalkliebende Art, die Vollsonne bevorzugt. Sie gedeiht am liebsten in Trocken- und Halbtrockenrasen, in Streu- und Magerwiesen und steigt hierbei teils in Höhen bis zu 2000 m.ü.A.

Gefährdung laut Rote Liste Österreich: gefährdet (VU)

(c) Mirus Photography

Kleines Knabenkraut (Anacamptis morio)

Das Kleine Knabenkraut ist ebenfalls nach seiner Optik benannt, allerdings nur in seiner lateinischen, also wissenschaftlichen Benennung. Das Wort morio dürfte hierbei auf die Blüte hindeuten, die ähnlich einer Narrenkappe (moros = Narr) geformt ist. Die Blüten sehen optisch aufgrund des Sporns zwar sehr einladend aus, enthalten allerdings keinen Nektar; sie sind also sogenannte Scheinsaftblumen.

Das Kleine Knabenkraut wächst ebenfalls an mageren Standorten, erträgt allerdings sowohl leicht saure als auch leicht basische Böden. Laut Literatur blüht es bereits im April, das folgende Foto wurde allerdings erst im Mai aufgenommen.

Gefährdung laut Rote Liste Österreich: gefährdet (VU)

(c) Mirus Photography

Die beiden Orchideen wurden früher den Knabenkräutern zugezählt, daher der Name (Gattung Orchis). Aufgrund molekulargenetischer Forschung werden sie allerdings nun den Gattungen Neotinea und Anacamptis zugeordnet. Dies zeigt, dass molekulargenetische Forschung wichtig für eine korrekte Einordnung ist, wobei auch hier nicht immer eindeutig ist, wie die Arten abzugrenzen sind.

 

Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis)

Zu guter Letzt möchte ich Sie auf eine besondere Orchidee hinweisen, die aufgrund ihrer Farbe gerne übersehen wird. Die Vogel-Nestwurz ist ein sogenannter Vollschmarotzer und zeigt daher keinerlei grüne Pflanzenteile. Zur Keimung benötigen Orchideen eine Vergesellschaftung mit Pilzen, da in den Samen kaum Nährgewebe vorhanden ist. Anders als andere Arten, die mit diesem Pilz eine Symbiose eingehen, parasitiert die Vogel-Nestwurz den Pilz allerdings. Da der Pilz selbst in Verbindung mit Bäumen steht, handelt es sich um Epiparastismus. Vom Baum zum Pilz und weiter in die Orchidee!

Diese Art findet man in nährstoffreichen Buchen und Laubmischwäldern. Beim Spaziergang im Wald ist also entlang der Wege besondere Vorsicht geboten, um diese faszinierende Pflanze nicht zu übersehen!

Gefährdung laut Rote Liste Österreich: ungefährdet (LC)

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