Der hohe Grad der Versiegelung in Österreich ist auch ein Thema in der Landschaftsarchitektur. Unser Kollege Laurenz Gebesmair experimentiert mit neuen Pflastersteinformen für neue Lösungsansätze der modernen und ansprechenden Neugestaltung von Freiräumen. 

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Die zunehmend spürbaren Folgen des Klimawandels haben in den letzten Jahrzehnten das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung urbaner Freiräume grundlegend verändert. Auch deswegen hat sich die Landschaftsarchitektur als eigenständige Disziplin wieder stärker etabliert und ist heute – neben der baulichen Architektur – ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Baupraxis. 

Vor allem im urbanen Raum stehen die Umgestaltung und Reorganisation von bestehenden Plätzen und Freiräumen im Fokus. Städtische Plätze wie am Naschmarkt, oder dem Johann-Nepomuk-Vogl-Platz wurden bereits als „klimafit“ umgestaltet, wobei hier die Entsiegelung immer ein sehr wesentliches Element des Gestaltungkonzeptes war.  

In diesem Beispiel einer Umgestaltung eines Vorplatzes wurde sich die Frage gestellt, wie durch angepasste Pflasterformen mit möglichst wenig Aufwand und Mittel eine Entsiegelung passieren kann, ohne dabei bestehende Wege und Nutzungen zu verändern. Dafür setzte sich Laurenz Gebesmair mit verschiedenen Pflastersteinformen auseinander, die dies ermöglichen sollen. 

IstZustand des Vorplatzes: Wird heute vor allem als Abstellfläche für ein bis zwei Autos genutzt. 

Die grundsätzliche Idee ist, dass durch die spezielle Form der Steine, durch das punktuelle Verdrehen einzelner Steine um je 90°, Lücken im Pflasterbelag entstehen. Je nach Ausrichtung ergeben sich kleinere oder größere Lücken. Dabei folgt die Platzierung dem System, dass sich mit zunehmender Entfernung zur Wegmitte der Hartbelag durch das Drehen und Aussparen ganzer Steine, auflöst. Die Grenze zwischen Oberflächen löst sich auf und verschwimmt. 

Experimentele Pflasterform 1, „PacMan“ 

Durch das „zerschneiden“ der Grundform entstehen zwei weitere Formen, welche eine weichere und rundere Formensprache schaffen. Dabei wird die Grundform mit zunehmender Entfernung zur Wegmitte durch die kleineren Formen ersetzt. 

Experimentele Pflasterform 2,  „Rakete“ 

Diese Pflasterform schafft insgesamt eine lineare und eckige Auflösung. Dabei werden nur zwei Formen benötigt, welche durch Drehungen und Aussparungen den Übergang schaffen. 

Das Konzept beschränkt sich dabei nicht nur auf die Anordnung und Form der Belagsteine, sondern berücksichtigt auch gezielt die Bepflanzung. Dabei verringert sich die Höhe der Vegetation systematisch zur Wegmitte hin – von höheren Stauden und Sträuchern bis zu trittfesten Bodendeckern in den Fugen und Lücken. Dieser abgestufte Höhenverlauf soll dabei auch in der Vertikalen (Z-Achse) einen harmonischen, sanften Übergang schaffen. 

Umgestaltung des Vorplatzes mit der „PacManForm. Insgesamt bleiben beide Parkmöglichkeiten bestehen und die bestehenden Wegeabkürzungen entlang der südlichen Mauer erhalten. Der Übergang von Hart- zu Grünfläche ist aufgelöst und lässt beide Oberflächen miteinander verschmelzen, ebenso der Bereich zwischen Asphalt und Belagsfläche. Vormals nicht genutzte Bereiche werden dabei entsiegelt und durch Stauden- und Strauchpflanzungen aufgewertet. 

Umgestaltung des Vorplatzes mit der „Rakete“-Form. Durch die geradlinige und spitze Steinform wirkt der Vorplatz technischer und wenig verspielt. Der Übergang vom Pflaster zur asphaltierten Fläche ist dabei geradliniger und klarer, die Zone zwischen Grün- und Hartfläche wirkt dabei durch die spezielle Formensprache aufgelöster und verzahnen sich tiefer. 

Ziel war es durch geringe Maßnahmen und Anpassungen nicht genutzte Bereiche zu entsiegeln und bestehende Nutzungen zu erhalten bei einer gleichzeitig attraktiven modernen Neugestaltung. In diesem Gedankenexperiment zeigt sich, dass auch durch eine kleinteilige und durchdachte Formsprache ressourcenschonend und effizient eine Umgestaltung passieren kann. 

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